Resilienz im Projektmanagement, Teil 1

Resilienz im Projektmanagement, Teil 1

In jüngerer Vergangenheit macht regelmäßig der Begriff Resilienz die Runde. Doch was ist damit gemeint? Für wen ist das Thema wichtig? Und wo kommt es zum Tragen? In einem zweiteiligen Beitrag vermitteln wir einen Überblick, zeigen Beispiele zur Resilienz im Projektmanagement und geben Anregungen, wie die eigene Resilienz gestärkt werden kann.

Resilienz im Projektmanagement, Teil 1

Resilienz: Was bedeutet das?

Jeden Tag strömen verschiedenste Einflüsse auf uns ein. Einige davon sind positiv, andere hingegen negativ. Und vor allem was die negativen Einflüsse angeht, reagieren Menschen sehr unterschiedlich.

So gibt es Menschen, denen Probleme schwer zu schaffen machen, die Schwierigkeiten als riesige, kaum überwindbare Hürden empfinden und die Misserfolge schnell aus der Bahn werfen. Im Unterschied dazu können andere Menschen in jeder Situation noch etwas Gutes sehen und gehen selbst aus Katastrophen letztlich gestärkt hervor.

Damit stellt sich die Frage, warum das so ist. Offensichtlich muss es Eigenschaften geben, die dazu führen, dass einige Menschen psychisch belastbarer sind und sich schneller von Rückschlägen erholen können als andere.

Die Forschung zur Resilienz untersucht genau das:

  • Wie gehen Menschen mit schwierigen Situationen und widrigen Umständen um?

  • Warum ist die psychische Belastbarkeit von Menschen verschieden?

  • Weshalb kommen Menschen mit Rückschritten und Katastrophen besser zurecht, während andere von Schwierigkeiten regelrecht überwältigt werden?

  • Wieso können manche Menschen aus Problemen, Misserfolgen und schwierigen Ereignissen sogar Stärke gewinnen, und andere nicht?

Einer Definition zufolge ist die Resilienz ein dynamischer Prozess, der eine positive Anpassung im Umfeld von erheblichen Widrigkeiten beinhaltet. In anderen Worten ausgedrückt, ist eine belastbare und widerstandfähige Person in der Lage, sich schnell von Rückschlägen zu erholen und sich mit den neuen Anforderungen zu arrangieren.

Resilienz im Projektmanagement

Im Zusammenhang mit Resilienz werden oft Ereignisse mit weitreichenden Folgen oder Schicksalsschläge ins Feld geführt. Schwere Erkrankungen, Unfälle, gescheiterte Beziehungen oder Arbeitslosigkeit sind Beispiele dafür.

Doch wie gut es jemandem geht, hängt zu einem Großteil von den vielen kleinen Einflüssen im alltäglichen Leben ab. Und genauso wie größere Katastrophen haben auch sie durchaus das Potenzial, zur belastenden Herausforderung zu werden. Das wiederum gilt sowohl fürs Privatleben als auch für den Beruf.

Beispiel Projektleiter:

Die Geschäftsleitung informiert den Projektleiter darüber, dass ein strategischer Wechsel erfolgt und das von ihm betreute Projekt deshalb mit sofortiger Wirkung endet. Der Projektleiter hatte in das Projekt schon viel Zeit und Arbeit investiert und zusammen mit seinem Team gute Fortschritte gemacht.

Außerdem hatte er sich erhofft, dass der erfolgreiche Projektabschluss zum Sprungbrett für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter würde.

Beispiel Projektmitarbeiter:

Ein Mitglied des Projektteams hat einen wichtigen Zwischenbericht erstellt. Auf dieser Basis wurden die weiteren Schritte geplant und zusätzliche Ressourcen freigegeben.

Doch dann stellt sich heraus, dass dem Teammitglied bei einer maßgeblichen Kennzahl ein Rechenfehler unterlaufen ist. Im Ergebnis hat das Unternehmen Zeit und Geld verloren. Gleichzeitig ist die Kompetenz des Mitarbeiters in Frage gestellt.

Die beiden Beispiele zeigen, dass auch in einem Projekt Stolpersteine auftreten können, die das Leben schwer machen und zur echten Belastungsprobe werden.

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Immerhin stehen die Teammitglieder zu und hinter ihren Leistungen und identifizieren sich mit ihrer Arbeit. Je nach Ausmaß der Widrigkeiten können sie zudem ihre berufliche Zukunft und wirtschaftliche Existenz in Gefahr sehen.

Die Resilienz stärken

Natürlich gibt es kein Patentrezept, mit dem es jedem im Handumdrehen gelingt, die eigene Belastbarkeit zu erhöhen, Misserfolge abzuschütteln und sich schnell von Rückschritten zu erholen.

Aber es gibt einige Ansätze und Strategien, die zur Stärkung der eigenen Resilienz beitragen können. Dabei lassen sie sich im Projektumfeld und im Berufsalltag genauso anwenden wie im Privaten.

Positives wahrnehmen

Studien belegen, dass einem Menschen im Durchschnitt dreimal mehr positive Dinge widerfahren als negative. Ein Schlüssel ist deshalb die Fähigkeit, diese positiven Dinge zu erkennen und für sich umzusetzen.

Beispiel Projektleiter

Nach dem plötzlichen Aus ist der Projektleiter enttäuscht und frustriert. Er ärgert sich, dass die ganze Arbeit umsonst war. Seine Chancen auf eine baldige Beförderung sieht er ebenfalls schwinden.

Aus einer anderen Perspektive könnte der Projektleiter aber ebenso wahrnehmen, dass der strategische Wandel im Unternehmen eine Chance für ihn sein kann. Es wird ein neues Projekt geben. Und die Erkenntnisse, Erfahrungswerte und Fortschritte aus dem gestoppten Projekt kann der Projektleiter in das neue Projekt einfließen lassen.

Beispiel Projektmitarbeiter

Der Projektmitarbeiter ist zutiefst verunsichert. Er kann sich nicht erklären, wie ihm ein derartiger Fehler unterlaufen konnte. Gleichzeitig registriert er die vorwurfsvollen Blicke seiner Kollegen und sieht, wie sich sowohl die geplanten Meilensteine als auch das Projektbudget in die komplett falsche Richtung bewegen.

Andersherum könnte der Projektmitarbeiter aber auch erkennen, dass ihm zwei erfahrene Teammitglieder Mut zusprechen und der Projektleiter sein Können nicht in Frage stellt. Außerdem ist der Fehler so früh aufgefallen, dass das Projektmanagement schnell reagieren und das Projekt nach wie vor erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Stärken nutzen

Obwohl die Ausgangslage identisch ist, kann eine Situation als Gefahr oder als Herausforderung eingeordnet werden. Mit Blick auf die Resilienz ist wichtig, die eigenen Stärken auszuschöpfen.

Welche Eigenschaften helfen, mit den Ereignissen umzugehen? Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Vorfall ziehen, die einem künftig sogar zugutekommen werden?

Beispiel Projektmitarbeiter:

Wertet der Projektmitarbeiter die Situation als bedrohlich, fühlt er sich überfordert. Er zweifelt an seinen Fähigkeiten und sieht sich als jemand, der versagt hat. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass ihn auch alle anderen als inkompetent einstufen. Ordnet er die Situation hingegen als Herausforderung ein, ist ihm klar, dass es einen Ausweg gibt.

Er weiß zwar, dass der Fehler nicht hätte passieren dürfen. Aber er weiß genauso, dass er über das Können verfügt, um den Fehler auszubügeln. Seine Kompetenzen hat er in der Vergangenheit stetig unter Beweis gestellt. Also wird er den Fehler analysieren und nach einer Lösung suchen.

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Karsten Peters, 49 Jahre, Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, 36 Jahre Projektmanagerin, David Tarmstedt, 42 Jahre Projektleiter und Tarek Mokcic, 38 Jahre, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Weiterbildung und Entwicklung.

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