Projekte und Murphys Gesetz, Teil 2

Projekte und Murphys Gesetz, Teil 2

Alles geht schief, nichts klappt so richtig, keiner hört zu und jeder kommt mit irgendwelchen schlauen Sprüchen um die Ecke, was die bessere Lösung gewesen wäre: Solche Gefühle kennt vermutlich jeder. Und wahrscheinlich hat jeder schon einmal Situationen oder Tage erlebt, an denen sich scheinbar die ganze Welt gegen einen verschworen hat. Dann wird gerne Murphys Gesetz zitiert. Immerhin besagt es, dass schiefgehen wird, was schiefgehen kann.

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Projekte und Murphys Gesetz, Teil 2

Tatsächlich erinnert Murphys Gesetz an die simple Wahrheit, dass nicht immer alles klappt und selbst gut durchdachte Prozesse anders ablaufen können als geplant. Doch ein pragmatischer Projektmanager lässt sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Stattdessen nutzt er Murphys Gesetz als positiven Ansatz für sein Projekt.

Wie genau das funktioniert und wie Projekte überhaupt mit Murphys Gesetz zusammenhängen, schauen wir uns in einer Beitragsreihe an. Dabei haben wir in Teil 1 erklärt, woher das Naturgesetz kommt, was es besagt, wie viel Wahrheit es enthält und was seine positiven Effekte sind. Hier ist Teil 2!

Wann wird die Auslegung von Murphys Gesetz problematisch?

Aus Sicht des Projektmanagers geht Murphys Gesetz durchaus mit positiven Aspekten einher. Denn zunächst einmal besagt es nichts anderes, als dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn nicht alles nach Plan läuft. Trotz größter Bemühungen gehen Dinge eben manchmal schief. Dann muss das Motto sein, die Sache abzuhaken und mit einem anderen, neuen Ansatz weiterzumachen. Gleichzeitig schafft das Wissen um mögliche Fallstricke und Risiken die Grundlage, um schon im Vorfeld Gegenmaßnahmen vorzubereiten.

Allerdings lässt Murphys Gesetz auch zu negative Interpretationen zu. Problematisch wird es dann, wenn sich solche Denkmuster festsetzen:

  • Murphys Gesetz ist ein unumstößliches Naturgesetz, gegen das es keine Handhabe gibt. Es ist unmöglich, etwas daran zu ändern. Diese Denkweise verursacht eine abwartende und zugleich passive Position.
  • Das Gefühl, der Welt schutzlos ausgeliefert zu sein, kommt auf. Es ist ja ohnehin nicht möglich, etwas zu ändern.
  • Die Person gibt auf, findet sich mit der Situation ab und unternimmt keinerlei Versuche mehr, Dinge voranzubringen. Wozu auch, wenn sowieso nichts klappt?
  • Die Person entwickelt einen zynischen Blick auf das Leben. Während bei ihr alles schiefläuft, geht es den anderen gut und sie heimsen sämtliche Erfolge ein.

So eine Opferrolle lässt sich kaum mit dem Projektmanagement vereinbaren. Schließlich sollte das Ziel vom Projektleiter und dem Projektteam sein, vorausschauend zu agieren und sich voll einzubringen, um das Projekt erfolgreich umzusetzen und abzuschließen. Wenn sich aber die Haltung breit macht, dass letztlich ohnehin das Schicksal entscheidet, ist das aktive und motivierte Handeln von vorneherein ausgebremst.

Warum wirkt Murphys Gesetz so real?

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Den meisten Menschen ist klar, dass längst nicht immer alles nach Plan verläuft. Doch genauso wissen sie, dass Pläne aufgehen und Dinge funktionieren können. Trotzdem fühlt sich Murphys Gesetz oft erstaunlich wahr an. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe.

Der erste Grund ist die selektive Wahrnehmung. Mehrere Studien haben belegt, dass Menschen positive und negative Inhalte unterschiedlich verarbeiten. Dabei fallen die negativen Informationen stärker ins Gewicht. So bleiben unerfreuliche Ereignisse länger im Gedächtnis haften als erfreuliche. Wer zum Beispiel morgens im Stau steht oder sich mit einer Software herumärgert, die mal wieder abgestürzt ist, nimmt das bewusster war, als wenn er an einem Tag ohne Stau durchgekommen ist oder das Computerprogramm reibungslos lief.

Auch negative Gefühle wirken nachhaltiger. Sich über jemanden richtig geärgert zu haben, hält länger an als ein netter Plausch mit einem Kollegen. Bei unbekannten Personen ist es ähnlich. Macht das Gerücht die Runde, dass ein neuer Mitarbeiter wegen ständiger Querelen rausgeworfen wurde, wird er weit kritischer betrachtet als jemand, der einen ganz netten und kompetenten Eindruck macht.

Das Phänomen macht sich auch bemerkbar, wenn es um Feedback geht. Stellt der Projektleiter sein neues Projekt vor, nimmt er es sich zu Herzen, wenn ein Zuschauer die Präsentation kritisiert. Selbst wenn die anderen Zuschauer überzeugt sind und die Präsentation loben, macht die eine Kritik das gute Gefühl zunichte.

Bei dieser Form der Wahrnehmung wird auch von einer Negativitätsverzerrung gesprochen. Doch sie macht vieles oft unnötig schwer. Wenn positive Erlebnisse und Informationen als Normalität gewertet werden, erscheint alles Negative als Beleg dafür, dass Murphys Gesetz wahr ist.

Der zweite Grund ist die Neigung zu Übertreibungen. So mancher hat das Gefühl, dass er immer die falsche Schlange an der Supermarktkasse auswählt, stets Pech hat oder mit seinen Vorschlägen nie Gehör findet. Der Mensch neigt zu Extremen, weil ihm etwas entweder immer oder nie passiert, weil keiner wie gewünscht reagiert oder alle etwas zu meckern haben. Wer so denkt, sieht jede Übertreibung als Bestätigung für Murphys Gesetz.

Am Ende erinnert Murphys Gesetz lediglich daran, dass Dinge anders laufen können und nicht alles funktionieren muss. Arrangiert sich der Projektleiter mit diesem Wissen, kann er auf Basis von Risikobetrachtungen gegensteuern und Maßnahmen für unterschiedliche Szenarien ableiten. Bleibt aber die Frage, wie der Projektleiter ganz praktisch mit Murphys Gesetz umgehen kann. Das klären wir im nächsten Teil.

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Karsten Peters, 49 Jahre, Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, 36 Jahre Projektmanagerin, David Tarmstedt, 42 Jahre Projektleiter und Tarek Mokcic, 38 Jahre, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Weiterbildung und Entwicklung.

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