So funktioniert die Kartenumlauftechnik zur Ideenfindung

So funktioniert die Kartenumlauftechnik zur Ideenfindung

Bei der Kartenumlauftechnik handelt es sich um eine einfache und gleichzeitig sehr wirksame Methode, um Ideen zu finden und zu bewerten. Dabei können alle Teammitglieder ihre Einfälle und Vorschläge einbringen, ohne Einwände oder Kritik fürchten zu müssen. Außerdem regen die Ideen der anderen dazu an, weitere Lösungen zu entwickeln. Beides fördert die Kreativität und erhöht die Qualität der Ideen.

Anzeige

So funktioniert die Kartenumlauftechnik zur Ideenfindung

Wir erklären, wie die Kartenumlauftechnik funktioniert!:

Das Prinzip hinter der Kartenumlauftechnik

Vermutlich jeder kennt jene Meetings, die das Projektmanagement einberuft, um neue Ideen oder Lösungen zu finden. Doch kaum äußert ein Teilnehmer einen Vorschlag, ist der Einfall auch schon wieder vom Tisch.

Zu aufwändig, zu langwierig, zu teuer, nicht zielführend oder derzeit nicht umsetzbar, sind typische Gegenargumente. So sitzt das Team eine Weile zusammen, verplempert wertvolle Arbeitszeit und ist unterm Strich nach dem Meeting keinen nennenswerten Schritt weiter.

Als Gegenentwurf zu diesem Phänomen kommt die Kartenumlauftechnik ins Spiel. Sie ist eine kreative Methode zur Ideenfindung. Vor allem in Kick-Off-Meetings und Innovationsworkshops wird sie gerne eingesetzt, um auf diese Weise gute Ideen und sinnvolle Lösungen für ganze Projekte, einzelne Etappen oder neue Produkte und Dienstleistungen zu erarbeiten.

Vom Grundprinzip her ähnelt die Kartenumlauftechnik dem klassischen Brainstorming. Ein Moderator benennt die Fragestellung und alle Teilnehmer schreiben ihre Ideen dazu auf Karten auf.

Die Karten werden anschließend an den Nachbarn weitergegeben, der dadurch auf neue Ideen kommt, die er wieder notiert. Am Ende werden alle Ideen gebündelt und im Team betrachtet, bewertet und priorisiert.

Ein großer Pluspunkt der Kartenumlauftechnik besteht darin, dass im Zuge der Ideenfindung keine Wertungen vorgenommen werden. Unnötige Diskussionen kommen so erst gar nicht auf.

Weil alle Teilnehmer frei agieren und sich gegenseitig inspirieren, lassen sich durch die Kartenumlauftechnik innerhalb kurzer Zeit mehr und hochwertigere Ideen zusammentragen als bei einem herkömmlichen Brainstorming oder einem klassischen Meeting.

Hinzu kommt, dass das Team gemeinsam entscheidet, welches die besten Ideen sind. Das erhöht die Akzeptanz und wirkt sich positiv auf die Umsetzung aus.

So funktioniert die Kartenumlauftechnik zur Ideenfindung

Zunächst einmal muss es einen Moderator geben. Oft wird das der Projektleiter oder die Führungskraft sein, die das Meeting einberufen hat. Doch grundsätzlich kann auch jedes andere Mitglied des Projektteams und sogar eine außenstehende Person die Moderation übernehmen.

Die Kartenumlauftechnik gliedert sich dann in mehrere Schritte:

  1. Fragestellung genau definieren

Der Moderator erklärt, um welche Aufgabe es geht und welches Ziel erreicht werden soll. Meist werden die wesentlichen Daten und Fakten auf einem Flipchart festgehalten. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass alle Teilnehmer die Ausgangssituation kennen und über die gleichen Informationen verfügen.

Anschließend formuliert der Moderator die konkrete Fragestellung. Dabei ist sehr wichtig, das Problem und die Zielsetzung genau zu definieren. Denn nur so können Ideen gefunden werden, die als Antworten oder Lösungen für die Aufgabe in Frage kommen.

  1. Erste Ideen notieren

Ist die Fragestellung klar, fordert der Moderator die Teilnehmer dazu auf, ihre Einfälle, Antworten und Lösungsvorschläge auf Karten aufzuschreiben. Jede Idee wird dabei auf einer eigenen Karte notiert.

In vielen Fällen reichen Stichworte aus, manchmal braucht es eine kurze Erklärung. Entscheidend ist aber, dass auf jeder Karte wirklich immer nur eine Idee vermerkt ist. Dass die Notiz leserlich sein sollte, versteht sich von selbst.

In dieser Phase arbeitet jeder Teilnehmer für sich. Ein Austausch findet nicht statt. Der Moderator behält währenddessen die Zeit im Blick. Üblicherweise wird für die Ideenfindung ein Zeitrahmen zwischen drei und fünf Minuten angesetzt.

Anzeige
  1. Karten weiterreichen und neue Ideen finden

Wenn der Ideenfluss nachlässt, spätestens aber nach Ablauf der Zeit, beendet der Moderator die erste Runde der Ideenfindung. Gleichzeitig bittet er die Teilnehmer, ihre Karten jeweils an den Nachbarn weiterzureichen, der links von ihnen sitzt.

Dann beginnt die nächste Runde. Dabei liest sich jeder Teilnehmer die Karten durch, die er eben bekommen hat, lässt sich durch diese Ideen zu weiteren, eigenen Einfällen anregen und schreibt seine Lösungen erneut auf. Auch hier gilt wieder, dass jede neue Idee auf einer eigenen Karte vermerkt wird.

In dieser Phase arbeitet jeder Teilnehmer noch immer für sich alleine. Außerdem nimmt er die Inhalte der bereits beschriebenen Karten lediglich zur Kenntnis. Er kommentiert sie weder noch fügt er etwas hinzu oder streicht etwas weg.

Der Grundgedanke ist, die Ideen der anderen Teilnehmer als Grundlage und Inspirationsquelle für die nächsten Einfälle zu verwenden.

  1. Weitere Runden zur Ideenfindung

Der eben beschriebene Vorgang wird nun ein paar Runden lang fortgesetzt. Jeder Teilnehmer gibt also seinen Kartenstapel an den linken Nachbarn weiter, liest sich die Ideen seines rechten Nachbarn durch und schreibt seine Einfälle auf neue Karten auf.

Jetzt dürfte auch klar sein, woher die Methode ihren Namen hat. Denn die Karten sind im Umlauf durch die Teilnehmergruppe.

Irgendwann kommt der Ideenfluss zum Erliegen. Meist ist das nach drei oder vier Runden der Fall. Der Moderator erkennt den Punkt daran, dass die Teilnehmer die Karten ihrer Nachbarn nur noch lesen, aber selbst keine neue Karten mehr schreiben. Tritt diese Situation ein, wird der Kartenumlauf gestoppt.

  1. Karten einsammeln und Inhalte klären

Ist die Ideenfindung abgeschlossen, sammelt der Moderator die Karten ein und breitet sie auf einem großen Tisch oder dem Fußboden aus.

Sind einige Ideen mehrfach vorhanden, werden die Doppelungen aussortiert. Gibt es Vorschläge, bei denen nicht allen Teilnehmern klar ist, was damit gemeint ist, werden sie vom jeweiligen Ideengeber erklärt.

Auf diese Weise lassen sich Missverständnisse vermeiden. Außerdem macht eine Bewertung der Ideen nur dann Sinn, wenn alle Beteiligten sie auch verstehen.

  1. Kartenbündel erstellen

In den meisten Fällen gibt es mehrere Karten, die thematisch in die gleiche Richtung gehen. Aus diesem Grund bündeln der Moderator und die Teilnehmer nun die Karten, die zusammengehören oder sich zusammenfassen lassen.

Anschließend bekommt jedes Bündel eine passende, aussagekräftige Überschrift. Dieser Titel wird auf eine größere oder andersfarbige Karte geschrieben und mit Stichworten ergänzt, die die enthaltenen Ideen oder Lösungen grob beschreiben.

Für die bessere Übersicht werden die Bündel dann an einer Pinnwand oder einem Whiteboard befestigt.

  1. Ideen bewerten und priorisieren

An der Pinnwand werden sich in aller Regel viele Bündel befinden. Doch von den gefundenen Ideen können meist nur eine oder sehr wenige Lösungen tatsächlich umgesetzt werden. In der letzten Etappe gilt es deshalb, eine Auswahl zu treffen.

Dazu erhält jeder Teilnehmer eine bestimmte Anzahl an Punkten, die er vergeben kann. Um das Ergebnis sichtbar zu machen, werden üblicherweise Klebepunkte verwendet.

In diesem Zuge sollte auch festgelegt werden, ob ein Teilnehmer seine Punkte einzeln verteilen muss oder ob er einer Idee mehrere Punkte zuordnen kann.

Möglich ist außerdem, zuvor Kriterien für die Bewertung zu definieren. Bei diesen Kriterien kann es sich zum Beispiel um den Innovationsgrad, die Erfolgsaussichten, die Kosten, die Schnelligkeit bei der Umsetzung und ähnliche Aspekte handeln.

Die Teilnehmer bringen ihre Klebepunkte dann auf den Deckkarten der Bündel an. Die Themen, die am Ende die meisten Punkte haben, werden weiter verfolgt und ausgearbeitet.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: So funktioniert die Kartenumlauftechnik zur Ideenfindung

Anzeige
Redaktion
Twitter

Veröffentlicht von

Redaktion

Karsten Peters, 49 Jahre, Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, 36 Jahre Projektmanagerin, David Tarmstedt, 42 Jahre Projektleiter und Tarek Mokcic, 38 Jahre, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Weiterbildung und Entwicklung.

Kommentar verfassen