Resilienz im Projektmanagement, Teil 2

Resilienz im Projektmanagement, Teil 2

Es gibt regelmäßig Begriffe, die scheinbar aus dem Nichts auftauchen, aber dann plötzlich in aller Munde sind. So ein Begriff ist die Resilienz. Und das erklärte Ziel ist, resilienter zu werden, sowohl im Beruf als auch im Privaten. Vereinfacht erklärt, misst die Resilienz die psychische Belastbarkeit. Sie beschreibt, wie jemand mit schwierigen Situationen zurechtkommt, mit Misserfolgen umgeht und sich von Rückschlägen erholt.

Resilienz im Projektmanagement, Teil 2

Vor diesem Hintergrund kann es natürlich nicht schaden, sich Denkweisen und Verhaltensmuster anzueignen, die dazu beitragen, Herausforderungen gelassener zu sehen und sich nicht so schnell aus der Bahn werfen zu lassen. Bleibt aber die Frage, wie das gelingen kann.

In einem zweiteiligen Beitrag kümmern wir uns um Resilienz im Projektmanagement. Dabei haben wir in Teil 1 erklärt, was genau Resilienz bedeutet und wie sie im Umfeld eines Projekts zum Tragen kommt. Außerdem haben wir zwei Strategien gezeigt, wie sich die eigene Resilienz stärken lässt.

Jetzt, in Teil 2, geben wir weitere Anregungen:

Gutes im Schlechten erkennen

Ähnlich wie bei den beiden Methoden, Positives wahrzunehmen und die eigenen Stärken zu nutzen, die wir in Teil 1 vorgestellt haben, basiert auch diese Strategie darauf, Ereignisse für sich selbst einzuordnen.

Die Kernidee hier ist, ein unschönes Erlebnis oder einen belastenden Vorfall zu bewerten und sich dabei ganz gezielt auf die positiven Folgen zu konzentrieren. Wer sich die Zeit nimmt, einen Rückschlag oder Misserfolg mit etwas Abstand genau zu betrachten, wird feststellen, dass er auch seine guten Seiten hatte.

Und das Ziel ist, diese positiven Aspekte aufzuspüren und für sich zu nutzen.

Beispiel Projektmitarbeiter:

Natürlich ist es für den Projektmitarbeiter keine einfache Situation, wenn sein Rechenfehler im Zwischenbericht zu einer falschen Kennzahl geführt hat und dadurch die komplette weitere Planung nicht mehr stimmt. Genauso ist es verständlich, wenn nicht nur die anderen Mitglieder des Projektteams sauer sind, sondern sich der Projektmitarbeiter vor allem über sich selbst ärgert.

Doch statt nun Trübsal zu blasen und die eigenen Fähigkeiten für alle Zeit in Frage zu stellen, kann der Projektmitarbeiter die positiven Folgen aus dem Fehltritt für sich herausfiltern. Zum einen weiß er jetzt nämlich, worauf er in Zukunft achten muss, damit ihm so ein Fehler nicht noch einmal unterläuft.

Und zum anderen hat er gesehen, wer aus dem Team wirklich hinter ihm steht und auf wen er ihm Ernstfall zählen kann.

Einen optimistischen Erklärungsstil aneignen

Jeder Mensch ordnet Geschehnisse anders ein. Die Art und Weise dieser Interpretation wird auch Erklärungsstil genannt.

Dabei schließt ein Erklärungsstil drei Dimensionen ein:

  • Dauerhaftigkeit: Handelt es sich nur um ein vorübergehendes oder ein dauerhaftes Geschehen?

  • Verallgemeinerung: Hat der Vorfall eine Ursache, die generell auch in anderen Situationen so zum Tragen kommt, oder gibt es einen spezifischen Grund?

  • Personalisierung: Wer trägt die Verantwortung für das Ereignis? Habe ich es verursacht oder jemand anderes, sind die Ursachen intern oder extern zu suchen?

Im Kern geht es um die Frage, warum das Ereignis so stattgefunden hat, wie es stattgefunden hat. Mit Blick auf die Resilienz ist dann wichtig, die Sachlage optimistisch einzuordnen und gerade nicht zu denken, dass das Negative dauerhaft und generell vorhanden sein wird, weil es an der eigenen Person liegt.

Beispiel Projektleiter:

Nachdem die Geschäftsleitung den Projektleiter darüber informiert hatte, dass sein aktuelles Projekt wegen eines strategischen Wechsels beendet wird, war dieser enttäuscht. Schließlich war schon viel Arbeit in das Projekt geflossen. Außerdem sollte es zum Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt werden.

Anzeige

Ein pessimistischer Erklärungsstil hätte zur Folge, dass der Projektleiter befürchtet, für eine Beförderung nicht mehr in Frage zu kommen (Dauerhaftigkeit), weil keines seiner Projekte zur strategischen Neuausrichtung des Unternehmens passt (Verallgemeinerung) und ihm außerdem die notwendigen Kompetenzen fehlen (Personalisierung).

Im Unterschied dazu würde der Projektleiter bei einem optimistischen Erklärungsstil denken, dass das Projekt-Aus dem nächsten Karriereschritt nicht im Wege steht, weil es nur um dieses eine, spezielle Projekt ging und der Stopp in externen Einflüssen begründet ist.

Unveränderliches akzeptieren

Auch wenn viele Menschen gerne alle Fäden in der Hand halten und echte Macher sind, ist aktives Handeln nicht immer die beste Lösung. Manche Entwicklungen lassen sich weder beeinflussen noch ändern. Statt Zeit und Energie für Sachverhalte zu vergeuden, die außerhalb des eigenen Einflussbereiches liegen, ist es mitunter sinnvoller, die Situation anzunehmen und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die kontrollierbar sind.

Statt sich zu ärgern oder gar zu hadern, sollte also zunächst objektiv beurteilt werden, was genau passiert ist. Es macht keinen Sinn, Energie in Themen zu investieren, die ohnehin nicht zu ändern sind.

Beispiel Projektleiter:

Der Projektleiter könnte um sein Projekt kämpfen, indem er alle guten Argumente aufzählt, die für das Projekt sprechen. Allerdings verschwendet er damit letztlich nur seine Energie. Besser ist, wenn er sich mit der veränderten Situation arrangiert und akzeptiert, dass sich die strategische Ausrichtung eines Unternehmens ändern kann.

Dadurch kann er für sich resümieren, dass er sein Projekt nicht aufgegeben hat, sondern schlichtweg nicht beeinflussen kann, in welche Vorhaben die Geschäftsführung Ressourcen investiert. Gleichzeitig spart er Zeit und Kraft für die nun folgenden Aufgaben.

Loslassen

Menschen neigen dazu, noch stärker zu kontrollieren, wenn sie unsicher werden oder das Gefühl haben, keinen Einfluss nehmen zu können. Auf diese Weise versuchen sie, ihre Angst vor dem völligen Kontrollverlust zu kompensieren.

Um die Resilienz zu stärken, ist deshalb wichtig, sich vor Augen zu führen, dass es schlicht unmöglich ist, alles um sich herum zu beeinflussen. Niemand kann das Denken und Verhalten der Menschen in seinem Umfeld kontrollieren und niemand kann verhindern, dass Fehler passieren.

Die Kontrolle ein Stück weit aufzugeben und den Anspruch an Perfektion loszulassen, kann ein Schlüssel zu Erfolg, Zufriedenheit und mehr Gelassenheit sein.

Beispiel Projektmitarbeiter:

Sein Fehler belastet den Projektmitarbeiter sehr. Er ist verunsichert und befürchtet, ein solches Missgeschick könnte ihm noch einmal unterlaufen. Deshalb kontrolliert er nun jeden Arbeitsschritt mehrfach, bevor er ein Ergebnis an die Kollegen weiterleitet. Die Folge davon ist, dass seine Produktivität deutlich sinkt, weil er für alles wesentlich länger braucht.

Doch dadurch wird er noch unsicherer und zweifelt zunehmend an seinen Fähigkeiten. Gleichzeitig steigt sein Kontrollbedürfnis zusätzlich, denn weil er sich an seinen Grenzen wähnt, wächst auch die Angst vor neuen Fehlern.

Würde der Projektmitarbeiter seinen Fehler hingegen abhaken und sich nicht immer weiter in seine Kontrollmechanismen hineinsteigern, wäre der Ausrutscher bald vergessen und der Projektmitarbeiter deutlich entspannter.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Resilienz im Projektmanagement, Teil 2

Redaktion
Twitter

Veröffentlicht von

Redaktion

Karsten Peters, 49 Jahre, Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, 36 Jahre Projektmanagerin, David Tarmstedt, 42 Jahre Projektleiter und Tarek Mokcic, 38 Jahre, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Weiterbildung und Entwicklung.

Kommentar verfassen