Projekte und Murphys Gesetz, Teil 3

Projekte und Murphys Gesetz, Teil 3

Es gibt Tage, an denen einfach gar nichts funktioniert und die man am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Häufig schießt einem dann Murphys Gesetz durch den Kopf. Schließlich bestätigt das Gesetz, dass es in der Natur der Sache liegt, dass alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Tatsächlich ist die Realität aber halb so dramatisch. Außerdem ist letztlich alles eine Frage der Perspektive.

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Projekte und Murphys Gesetz, Teil 3

Natürlich ist es möglich, Murphys Gesetz für bare Münze zu nehmen, sich schmollend zurückzuziehen und für sich festzustellen, dass man sowieso nichts ändern kann und der Welt hilflos ausgeliefert ist. Doch genauso ist möglich, das Gesetz positiv zu interpretieren.

Wer akzeptiert, dass Dinge eben manchmal anders laufen als geplant, kann schon im Vorfeld versuchen, Risiken aufzuspüren und zu minimieren. Und wenn doch etwas nicht klappt, muss eben eine andere Lösung her.

Die zweite Haltung passt selbstredend viel besser zu einem Projektleiter. Damit sind wir beim Thema unserer kleinen Beitragreihe, in der wir uns mit Projekten und Murphys Gesetz befassen. Dabei haben wir uns in den beiden vorhergehenden Teilen mit dem Gesetz als solches und den verschiedenen Auslegungen beschäftigt.

Jetzt, im 3. und letzten Teil, nennen wir fünf Ansätze für den praktischen Umgang mit Murphys Gesetz. Vor allem Projektleiter, die zu negativen Interpretationen neigen, finden darin nützliche Anhaltspunkte:

Ansatz Nr. 1: Positives Denken

Wer optimistisch in die Zukunft schaut, geht von positiven Dingen, Erlebnissen und Verläufen aus. Und eine bejahende Grundhaltung geht mit zahlreichen Vorteilen einher.

So ist zum Beispiel die Stimmung insgesamt besser und unvorhergesehene Ereignisse lassen den Stresspegel weit weniger in die Höhe schießen. Bei Erkrankungen kann Optimismus die Heilung fördern.

Im Projektmanagement macht es einen großen Unterschied, ob der Projektleiter davon ausgeht, dass er den Auftrag ohnehin nicht bekommt. Oder ob er davon überzeugt ist, dass er und sein Team richtig gut sind und deshalb natürlich die Zusage erhalten.

Genauso macht es einen Unterschied, ob der Projektleiter erwartet, dass sein Team wieder die gleichen Fehler machen wird wie schon so oft, oder ob er von einer erfolgreichen Teamleistung ausgeht.

Optimismus bedeutet nicht, die Welt durch eine rosarote Brille zu sehen. Und natürlich werden sich nicht alle positiven Gedanken bewahrheiten. Doch wenn der Projektleiter mit Murphys Gesetz im Hinterkopf von Anfang an negativ denkt, versetzt er sich selbst in eine passive Rolle.

Ansatz Nr. 2: Fakten

Das Denken in Extremen und der Hang zu Übertreibungen sind nicht besonders hilfreich. Natürlich kann der Projektleiter jede Kleinigkeit, die daneben geht, als Bestätigung für Murphys Gesetz auslegen. Doch mit den Tatsachen hat das oft nichts zu tun.

Versagt zum Beispiel bei einer Präsentation im entscheidenden Moment die Technik oder unterläuft einem Teammitglied ausgerechnet bei einem wichtigen Testlauf ein Fehler, ist das natürlich ärgerlich.

Aber ist das wirklich ein Beleg dafür, dass immer alles schiefgeht? Oder ist es nicht viel eher so, dass es sich um eine Ausnahme handelt? Wie oft ist etwas Vergleichbares in den vergangenen fünf Jahren passiert? Betrachtet der Projektleiter sachlich die Fakten und Wahrscheinlichkeiten, kommt er schnell auf den sprichwörtlichen Boden der Tatsachen zurück.

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Ansatz Nr. 3: Realistische Erwartungshaltung

Selbstverständlich möchte der Projektleiter, dass sein Projekt reibungslos verläuft, alle Pläne aufgehen und am Ende ein erfolgreicher Abschluss steht. Doch auch wenn dieser Wunsch verständlich ist, ist die Realität oft eine andere.

So wird es Dinge geben, die perfekt funktionieren, während andere Punkte überhaupt nicht laufen. Dazu kommen jede Menge Aspekte und Abläufe, die irgendwo dazwischen liegen.

Diese Erkenntnis macht es einfacher, Rückschläge richtig einzuordnen. Selbst wenn sich eine Pechsträhne anbahnt, kann sich der Projektleiter sicher sein, dass früher oder später der Wendepunkt kommt. Denn so läuft es nun einmal in der Welt und in Projekten.

Ansatz Nr. 4: Keine Negativitätsverzerrung

In Teil 2 haben wir erklärt, was es mit der sogenannten Negativitätsverzerrung auf sich hat. Kurz zusammengefasst: Menschen nehmen Negatives schneller, stärker und nachhaltiger wahr als positive Dinge.

Das Wissen über dieses Phänomen erinnert daran, dass gar nicht immer alles schiefgeht. Es ist vielmehr so, dass Dinge, die gut laufen, nicht bewusst wahrgenommen oder als selbstverständlich angesehen werden.

Fährt der Projektleiter zum Beispiel morgens seinen Computer hoch, macht er sich keine Gedanken darüber, dass er mit der Arbeit beginnen kann. Andersherum registriert er es sofort, wenn sich der Rechner nicht hochfahren lässt.

Für das Projektmanagement heißt das, dass nicht nur die negativen Dinge gesehen werden dürfen. Mindestens genauso viel Gewicht müssen die positiven Abläufe bekommen, die zudem mitnichten Selbstverständlichkeiten sind.

Ansatz Nr. 5: Vorausschauende Risikoanalyse

Es gibt eine Stelle, an der der Projektleiter Murphys Gesetz bewusst und gezielt anwenden sollte. Nämlich bei der Risikoanalyse.

Murphys Gesetz führt vor Augen, dass im Projekt vieles nicht nach Plan laufen wird. Geht der Projektleiter davon aus, kann er folgende Denkmuster und Verhaltensweisen ableiten:

  • Der Projektleiter macht sich Gedanken, wo im Projekt Schwierigkeiten auftreten könnten und analysiert die Risiken.

  • Er definiert sinnvolle Maßnahmen, die den möglichen Risiken entgegenwirken.

  • Er leitet das Projekt vorausschauend.

  • Vermutlich werden unvorhergesehene Probleme auftauchen und Dinge nicht klappen, die der Projektleiter so gar nicht auf dem Schirm hatte. Doch davon lässt er sich nicht aus dem Konzept bringen, sondern sucht nach Lösungen.

Es ist nicht immer einfach und macht auch keinen großen Spaß, Worst-Case-Szenarien durchzuspielen. Doch bei einer vorausschauenden Risikoanalyse ist genau das angebracht. Der Projektleiter und sein Team sind auf diese Weise nämlich auf alle Eventualitäten, positive wie negative, vorbereitet. Und in dieser Hinsicht ist Murphys Gesetz sogar eine echte Hilfe fürs Projektmanagement.

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Thema: Projekte und Murphys Gesetz, Teil 3

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Karsten Peters, 49 Jahre, Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, 36 Jahre Projektmanagerin, David Tarmstedt, 42 Jahre Projektleiter und Tarek Mokcic, 38 Jahre, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Weiterbildung und Entwicklung.

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