Was ist das Wasserfall-Modell? Teil 2

Was ist das Wasserfall-Modell? Teil 2

Das sogenannte Wasserfall-Modell wird oft als Synonym für klassisches Projektmanagement verwendet. Ein lineares Modell, das ein Projekt in feste Phasen einteilt und von Anfang bis Ende anhand des vorher festgelegten Plans umgesetzt werden kann, ist das Idealbild vieler Projektmanager. Doch was genau hat es mit diesem Modell eigentlich auf sich? In einem zweiteiligen Beitrag klären wir die wichtigsten Punkte rund ums Wasserfall-Modell.

Anzeige

Was ist das Wasserfall-Modell Teil 2

Dabei haben wir in Teil 1 beantwortet, was das Wasserfall-Modell genau ist, wie es entstand und welche Phasen es umfasst. Hier ist Teil 2!:

Für welche Projekte eignet sich das Wasserfall-Modell?

Die Wurzeln des Wasserfall-Modells liegen in der Entwicklung von Software. Aus diesem Bereich leiten sich auch die Phasen ab, die ein Projekt nach diesem Modell typischerweise umfasst.

Doch das Modell wird längst deutlich breiter verwendet. Deshalb lassen sich die notwendigen Eigenschaften und Merkmale, die ein Projekt haben sollte, wenn das Wasserfall-Modell angewendet werden soll, ebenfalls allgemeiner beschreiben.

Dabei gilt:

  • Es ist möglich, das Projekt vom Start bis zum Ende im Detail zu planen und linear durchzuarbeiten.

  • Die Anforderungen und Besonderheiten stehen von Anfang an fest, sind klar und vollständig erfasst. Alle Beteiligten wissen und verstehen, welches Ziel erreicht werden soll.

  • Für das Projekt gibt es einen verbindlichen Startzeitpunkt und einen festen Endtermin.

  • Es ist nicht zu erwarten, dass sich größere Änderungen ergeben oder unvorhergesehene Anpassungen notwendig sind.

  • Das Projektumfeld ist hierarchisch aufgebaut und die Entscheidungswege sind vergleichsweise lang.

Unternehmen, die traditionell aufgestellt sind und feste Strukturen haben, kommen mit dem klassischen Ansatz, auf dem das Wasserfall-Modell beruht, oft besser zurecht als mit agilen Ansätzen.

Ein typisches Beispiel für ein Projekt nach dem Wasserfall-Modell ist die Organisation eines Messeauftritts. Auch der Bau eines Fertighauses eignet sich als Projekt für das lineare Vorgehensmodell.

Unterm Strich kann das Wasserfall-Modell also immer dann die richtige Lösung sein, wenn die Anforderungen eindeutig sind, die einzelnen Projektphasen klar definiert und detailliert geplant werden können, kaum Änderungen zu erwarten sind und das Projekt geradlinig durchgeführt werden kann.

Welche Vorteile bietet das Wasserfall-Modell?

Die Umsetzung eines Projekts kann immer Hürden und Stolpersteine bereithalten. In der Praxis ist es schlichtweg unmöglich, alle nur erdenklichen Risiken zu ermitteln und auszuschließen. Doch das klassische Wasserfall-Modell hat eine einfache Struktur und zugleich ein enges Korsett. Daraus ergeben sich einige Vorteile.

Ein Pluspunkt ist, dass der Wasserfall leicht verständlich und für alle Beteiligten problemlos nachvollziehbar ist. Die klare Einteilung in einzelne Projektphasen und der im Vorfeld verbindlich definierte Plan schaffen einen präzisen Rahmen, an dem sich alle Beteiligten orientieren können.

Vor allem bei Projekten, die wenig Potenzial für Änderungen und unvorhergesehene Anpassungen haben, sorgt das Wasserfall-Modell für ein hohes Maß an Planungssicherheit. Hinzu kommt, dass auch andere Faktoren wie zum Beispiel der Zeitrahmen, die Kosten und die benötigten Ressourcen von Anfang an feststehen.

Beim Wasserfall-Modell ist das Projekt in einzelne Phasen gegliedert, die nacheinander umgesetzt werden. Ist eine Phase abgeschlossen, beginnt die nächste. Das bringt den Vorteil mit sich, dass anhand der erreichten Meilensteine jederzeit sehr genau abgelesen werden kann, wie weit das Projekt ist.

Welche Nachteile hat das Wasserfall-Modell?

Das Wasserfall-Modell ist einfach und logisch. Aber es eignet sich nicht für alle Projekte. Außerdem stehen den Vorteilen auch große Nachteile gegenüber.

Ein Minuspunkt ist, dass die Vorgehensweise starr ist und wenig Flexibilität bietet. Hinzu kommt, dass Fehler oft erst sehr spät erkannt werden. Denn Testphasen sind erst in den späten Abschnitten vorgesehen. Auch Feedbacks und Korrekturschleifen gibt es nicht.

Das würde voraussetzen, dass ein Rückschritt erfolgt und eine frühere Projektphase wiederholt wird. Doch das Wasserfall-Modell basiert ja gerade auf einem linearen, geradlinigen Ablauf, bei dem die Phasen nahtlos ineinander übergehen und nacheinander folgen.

Je komplexer das Projekt ist, desto schwerer wird es, im Vorfeld einen präzisen Plan aufzustellen, der alle Details berücksichtigt. Problematisch ist auch, dass durch nicht ganz klare Anforderungen Fehldeutungen aufkommen können, die sich erst spät im Projektverlauf bemerkbar machen.

Insgesamt lässt sich ein Projekt umso schlechter in die engen Strukturen des Wasserfalls einbetten, je komplexer das Vorhaben, je unklarer die Anforderungen und je umfangreicher die zu erwartenden Änderungen sind.

Das Wasserfall-Modell auf den Punkt gebracht

Das Wasserfall-Modell ist ein Modell mit einer linearen Vorgehensweise. Es wird mit dem klassischen Projektmanagement in Verbindung gebracht. Das wesentliche Merkmal sind klar definierte Projektphasen, die nacheinander jeweils einmal durchlaufen werden und grafisch deshalb oft wie ein Wasserfall dargestellt sind.

Das Modell lässt sich vor allem dann gut einsetzen, wenn die Anforderungen von Beginn an vollständig feststehen und kaum Änderungen erwartet werden.

Im Software-Bereich, wo das Wasserfall-Modell seinen Ursprung hat, ist aber genau das oft nicht der Fall. Das ist mit ein Grund dafür, warum der Begriff des Wasserfalls oft breiter auch für andere Projektarten verwendet wird, bei denen die einzelnen Projektphasen klar voneinander abgegrenzt werden können.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Was ist das Wasserfall-Modell? Teil 2

Redaktion
Twitter

Veröffentlicht von

Redaktion

Karsten Peters, - Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, - Projektmanagerin, David Tarmstedt, - Projektleiter und Tarek Mokcic, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya & Christian Gülcan, Gründer, Unternehmer und auch Inhaber von 2 Medien- & Marketing-Agenturen mit fortlaufender Projektleitung intern & extern (Kunden), Redakteure und Betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Projektmanagement, Weiterbildung und Entwicklung.

Kommentar verfassen

blank