Ansätze für die Unterscheidung verschiedener Projekttypen

Ansätze für die Unterscheidung verschiedener Projekttypen

Um was für ein Projekt handelt es sich? Was nach einer simplen Frage klingt, ist mitunter gar nicht so einfach zu beantworten. Denn je nach Blickwinkel kann ein Projekt verschiedenen Kategorien zugeordnet werden. In diesem Beitrag erklären wir, welche Kriterien zugrunde gelegt werden können und wieso eine Einteilung überhaupt sinnvoll ist.

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Ansätze für die Unterscheidung verschiedener Projekttypen

Warum sollten Projekte in unterschiedliche Arten eingeteilt werden?

Im Zusammenhang mit Projekten wird von verschiedenen Projekttypen gesprochen. Andere Bezeichnungen sind Projektarten oder Projektklassen. Unabhängig davon, welche Bezeichnung verwendet wird, geht es im Wesentlichen darum, anhand welcher Kriterien Projekte in Gruppen eingeteilt werden können.

Doch zunächst einmal steht im Raum, warum es überhaupt notwendig und sinnvoll ist, die jeweilige Projektart zu bestimmen. Dafür gibt es mehrere Gründe. So kann je nach Klasse eine andere Planung und Umsetzung des Projekts erforderlich sein.

Auch die Risikoanalyse kann je nach Projekttyp verschieden ausfallen. Außerdem sind im Unternehmen möglicherweise unterschiedliche Berichte und Dokumentationen für die einzelnen Projektarten vorgesehen.

Hinzu kommt noch ein ganz praktischer Aspekt. Projekte aus der gleichen Gruppe lassen sich nämlich miteinander vergleichen. Dadurch wird es möglich, Erkenntnisse zu nutzen und Erfahrungswerte zu übertragen. Gleichzeitig können Stolpersteine besser erkannt und Fehler vermieden werden.

Mögliche Ansätze für die Unterscheidung verschiedener Projekttypen

Nun gibt es zwar unterschiedliche Projektklassen. Allerdings stehen sie nicht einfach nur in einer Liste. Stattdessen hängt die Klassifizierung von der Betrachtungsweise ab. Die gängigsten Ansätze sind diese:

Gegenstand des Projekts

Ein Ansatzpunkt ist, Projekte nach dem Projektgegenstand einzuteilen. In diese Gruppe gehört dann zum Beispiel das Investitionsprojekt. Sein Ziel ist, ein materielles Gut zu bestellen oder zu erschaffen. Soll beispielsweise eine neue Lagerhalle errichtet oder der Maschinenpark erweitert werden, wären das Investitionsprojekte. Und meist geht es bei solchen Projekten um größere Summen.

Beim Organisationsprojekt wiederum stehen Personen oder Abläufe im Mittelpunkt. Veranstaltungen zu organisieren, neue Prozesse einzuführen oder bestehende Abläufe zu optimieren, sind klassische Inhalte von Organisationsprojekten.

Ein weiterer Projekttyp aus dieser Gruppe ist das Forschungs- und Entwicklungsprojekt, kurz F&E-Projekt. Hier geht es darum, neue Produkte zu entwickeln, innovative Verfahren zu erarbeiten oder Produktionsprozesse durch neue Methoden zu optimieren. Bei F&E-Projekten gibt es oft große Unsicherheiten und es ist nicht klar, wie das Projekt ausgehen wird.

Doch nicht immer lassen sich klare Grenzen ziehen. IT-Projekte zum Beispiel vereinen häufig mehrere Projektarten in sich. Angenommen, in einem Unternehmen soll eine neue Plattform etabliert werden, über die Dokumente verwaltet werden können.

Dann kämen dabei durch den Kauf von Hard- und Software ein Investitionsprojekt, durch die Anpassung der Arbeitsabläufe ein Organisationsprojekt und durch die Entwicklung zusätzlicher Funktionen ein F&E-Projekt zusammen.

Umsetzung

Die Vorgehensweise bei der Umsetzung des Projekts ist ein weiterer Unterscheidungsansatz. Hier gibt es zum einen das traditionell geplante Projekt, bei dem von Anfang an ein präziser und detaillierter Plan erstellt wird. Eine gängige Variante ist etwa das Wasserfallmodell.

Für dieses Modell wird das Projekt in mehrere Phasen eingeteilt und die Ergebnisse einer Phase fließen in die nächste Phase ein, die sich nahtlos anschließt. Traditionell geplante Projekte sind zum Beispiel bei Bauvorhaben üblich.

Gewissermaßen das Gegenstück dazu ist das agile Projekt. Anstelle einer genauen Planung über die gesamte Projektdauer durchläuft das Projekt kurze Phasen, die sich zyklisch wiederholen.

Dadurch soll eine möglichst hohe Flexibilität erhalten bleiben und gleichzeitig der bürokratische Aufwand minimiert werden. Agile Projekte sind vor allem in der IT-Branche weit verbreitet.

Innovationsgrad

Je nach Ausrichtung und Zielsetzung kann ein Projekt umfangreiche Veränderungen nach sich ziehen. Der Innovationsgrad ist deshalb ein weiterer Ansatz, um Projekttypen voneinander zu unterscheiden.

In vielen Unternehmen sind Routineprojekte Bestandteil des Kerngeschäfts. Ein Routineprojekt hat klar definierte Ziele, festgelegte Ressourcen und einen konkreten Endtermin. Damit ist der Projektcharakter gegeben. Allerdings verändert ein Routineprojekt nichts an den Strukturen oder Abläufen im Unternehmen. Vielmehr handelt es sich meist um einen Kundenauftrag.

Im Unterschied dazu möchte ein Innovationsprojekt neue Abläufe etablieren oder bestehende Prozesse optimieren. Führt ein Unternehmen zum Beispiel ein neues EDV-System ein, an das sich die Mitarbeiter erst noch gewöhnen müssen, wäre das ein Innovationsprojekt.

Bei einem Akzeptanzprojekt wiederum ist das Ziel, nicht nur Neuerungen auf den Weg zu bringen, sondern auch zu erreichen, dass die Neuerungen akzeptiert werden. Als Akzeptanzprojekt kann zum Beispiel der Anspruch auf zwei Tage Home-Office pro Woche eingeführt werden.

Den höchsten Innovationsgrad hat ein Change-Projekt. Es verändert die bestehenden Strukturen und Abläufe grundlegend. Eine Fusion, eine Übernahme oder eine Neuausrichtung im großen Stil sind typische Anlässe für ein Change-Projekt.

Auftraggeber

Mit Blick auf den Auftraggeber wird zwischen internen und externen Projekten unterschieden. Ein internes Projekt liegt immer dann vor, wenn der Auftraggeber aus den eigenen Reihen kommt. Veranlasst zum Beispiel die Geschäftsführung, dass eine Abteilung umstrukturiert oder ein neues Produkt auf den Markt gebracht wird, handelt es sich um ein internes Projekt.

Im Gegensatz dazu hat ein externes Projekt einen Auftraggeber von außen. In den meisten Fällen wird der Auftraggeber ein Kunde sein und das Unternehmen bearbeitet den Kundenauftrag in Form eines externen Projekts.

Geographische Ausrichtung

Die räumliche Ausdehnung kann ein weiteres, wichtiges Unterscheidungsmerkmal sein. Schließlich wird ein regionales Projekt üblicherweise anders geplant und umgesetzt als ein bundesweites Projekt oder gar ein internationales Projekt.

Größe

Auch die Einordnung als Kleinprojekt, mittelgroßes Projekt oder Großprojekt kann sinnvoll sein. Denn je größer ein Projekt ist, desto mehr Ressourcen werden dafür in aller Regel benötigt. Folglich steigen die Anforderungen an das Risikomanagement und oft auch an die Qualifikationen des Projektleiters und seiner Teammitglieder.

Verbindliche Größenordnungen gibt es aber nicht. Vielmehr definiert jedes Unternehmen individuell, wo die Grenzen zwischen den Projektgrößen verlaufen.

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Veröffentlicht von

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Karsten Peters, 49 Jahre, Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, 36 Jahre Projektmanagerin, David Tarmstedt, 42 Jahre Projektleiter und Tarek Mokcic, 38 Jahre, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Weiterbildung und Entwicklung.

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