Die Stacey-Matrix zur Entscheidungsfindung, 2. Teil

Die Stacey-Matrix zur Entscheidungsfindung, 2. Teil

Das Projektmanagement kennt eine Vielzahl von unterschiedlichen Ansätzen. Doch damit stellt sich immer wieder die Frage, welche Methode sich für das jeweilige Projekt am besten eignet. Eine eindeutige Antwort darauf ist manchmal nicht möglich. Doch die Stacey-Matrix kann bei der Entscheidungsfindung helfen.

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Die Stacey-Matrix zur Entscheidungsfindung, 2. Teil

In einem zweiteiligen Beitrag erklären wir, was es mit der Stacey-Matrix auf sich hat. Dabei haben wir im 1. Teil erklärt, wie die Methode entstanden ist. Außerdem haben wir die ursprüngliche Version beschrieben.

Hier ist der 2. Teil!:

Die Stacey-Matrix bei der Entscheidungsfindung im Projektmanagement

Stacey entwickelte seine Matrix als allgemeines Instrument, das in verschiedenen, komplexen Situationen helfen kann, eine Entscheidung zu treffen. Inzwischen wird die Matrix aber oft im Projektmanagement verwendet, um einen Ansatz auszuwählen und zu begründen. Dazu werden die Dimensionen und Bereiche anders benannt.

Was die beiden Achsen der Matrix betrifft, sind folgende Bezeichnungen üblich:

  • Technologie: Im Original bezeichnet die „Certainty“ die Sicherheit oder Gewissheit darüber, welche Vorgehensweise zu welchem Ergebnis führen soll. Im Zusammenhang mit dem Projektmanagement wird daraus die Technologie oder Methode. Ist bekannt oder nicht bekannt, welche Technologie oder Methode zum Ziel führen wird?
  • Anforderungen: Die Dimension der Übereinstimmung („Agreement“) wird zu den Anforderungen. Wie klar oder unklar sind die Anforderungen?

Auch die Bereiche innerhalb der Matrix werden umgedeutet. Ausgehend von den Einschätzungen und Bewertungen, lässt sich anschließend schlussfolgern, welche Vorgehensweisen und Modelle für das aktuelle Projekt infrage kommen.

Angepasst auf das Projektmanagement, sieht die Stacey-Matrix üblicherweise so aus: [Stacey-Matrix Projekte]

Stacey-Matrix Projekte

Einfach

Bei Projekten mit bekannten Technologien oder Methoden und Anforderungen sind kaum Überraschungen zu fürchten. Aus den Erfahrungswerten vergangener Projekte können die Vorgehensweisen abgeleitet werden, die sich am besten bewährt haben, und auf die künftigen Projekte angewendet werden.

Oft stehen die Aktivitäten bei solchen Projekten fest und die Ergebnisse sind klar definiert. Trotz Einschränkungen bei den Ressourcen und dem Budget ist die eigentliche Aufgabe vergleichsweise simpel.

Bei Projekten dieser Kategorie handelt es sich überwiegend um Standard-Projekte wie zum Beispiel Bauvorhaben von Fertighäusern oder die Inbetriebnahme von Standard-Anlagen. Die Umsetzung erfolgt gerne mit traditionellen Ansätzen wie dem Wasserfall- oder V-Modell.

Kompliziert

Mit kompliziert ist gemeint, dass ein Projekt zwar nicht mehr ganz einfach, aber in gewissem Umfang trotzdem vorhersehbar ist. Das Projekt ist also insgesamt anspruchsvoller, ohne dass es lauter unbekannte Faktoren gibt. Offene Fragen lassen sich durch gezielte Analysen, Verhandlungen oder Beratungen von Experten klären.

In der Praxis ist dieser Bereich in der Matrix oft noch einmal in sozial/politisch und technisch unterteilt. Sozial/politisch kompliziert bedeutet, dass keine Einigkeit über das Endergebnis besteht.

Als Frage steht im Raum, warum das Projekt überhaupt durchgeführt werden soll oder welche Ergebnisse für das Unternehmen besonders wertvoll sind. Bei technisch komplizierten Projekten steht zwar das Endergebnis fest. Nur ist nicht klar, wie dieses Ergebnis erreicht werden soll.

Ein typisches Projektbeispiel ist die Entwicklung eines Produkts, das eine innovative Technologie verwendet. Als Ansätze greift das Projektmanagement häufig auf Kanban oder Lean zurück.

Komplex

Dieser Bereich der Matrix beinhaltet eine Vielzahl an Unbekannten und Risiken. Es ist schwierig, einen präzisen Projektplan zu erstellen. Denn oft sind die Anforderungen noch nicht ganz bekannt und es steht noch nicht fest, welche Methoden am besten eingesetzt werden sollten.

Bei solchen Projekten ist entscheidend, dass transparent und kreativ gearbeitet wird. Zudem sollte es kurze Zyklen und enge Prüfpunkte geben, die das weitere Vorgehen definieren. Als Ansatz für das Projektmanagement ist oft Scrum die Methode der Wahl.

Chaos

Ein solches Projekt ist eine große Herausforderung, denn sowohl die Anforderungen als auch die Technologien oder Methoden sind völlig unklar. Das Risiko, dass das Projekt scheitert, ist entsprechend groß. Auf die übliche Weise zu planen, macht insgesamt wenig Sinn.

Eine Lösung kann sein, zunächst zu versuchen, die Anforderungen zumindest in gewissem Umfang zu bestimmen.

Auf dieser Basis kann eine vorläufige Entscheidung über die Technologie oder Methode getroffen werden, damit das Projekt in den Bereich Komplex eingeordnet werden kann. Kanban, Scrum oder Design Thinking sind dann denkbare Ansätze.

Was sind die Kritikpunkte an der Stacey-Matrix?

Stacey selbst hat sich mittlerweile von seiner Matrix distanziert und rät davon ab, sie einzusetzen. Eine Begründung dafür ist, dass es schnell zu Fehlinterpretationen kommt. Allerdings kann das auch daran liegen, dass die Matrix oft anders angewendet wird, als Stacey es bei der Ausarbeitung gedacht hatte.

Im Zusammenhang mit Projekten wird oft kritisiert, dass die Matrix das Projektumfeld nicht genügend berücksichtigt, die Felder nicht klar genug definiert sind und verschiedene Interessengruppen das Modell zu sehr auf ihre Zwecke abstimmen.

Außerdem würde die Matrix zu oft eingesetzt, um eine allgemeine Lösung für komplexe Probleme zu liefern und agile Ansätze zu forcieren. Und nicht zuletzt ist eine grundsätzliche Frage, ob sich die Komplexität als Kriterium eignet, um eine Vorgehensweise für ein Projekt auszuwählen.

Wie bei vielen Methoden ist es unterm Strich so, dass ein Modell nie stumpf angewendet werden kann. Ein Projekt in einen Bereich der Matrix einzuordnen und auf dieser Basis automatisch eine Vorgehensweise auszuwählen, wird in der Praxis selten funktionieren.

Sinnvoller ist, die Matrix als ein Hilfsmittel zu verstehen, das es ermöglicht, die Ausgangslage zu visualisieren und Anhaltspunkte für denkbare Ansätze und weniger geeignete Modelle aufzuzeigen.

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Karsten Peters, - Inhaber einer Medienagentur, Andrea Kumpak, - Projektmanagerin, David Tarmstedt, - Projektleiter und Tarek Mokcic, Consultant Projektmanagement, sowie Ferya & Christian Gülcan, Gründer, Unternehmer und auch Inhaber von 2 Medien- & Marketing-Agenturen mit fortlaufender Projektleitung intern & extern (Kunden), Redakteure und Betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Projektarbeiten, Berufen, Planungen, Projektmanagement, Weiterbildung und Entwicklung.

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