Projekt Arbeit – gestern und heute

Projekt Arbeit – gestern und heute

 

Heute ist Arbeit ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Der Bildungsweg, den jemand zurückgelegt hat, wird zu einem wichtigen Teil der Persönlichkeit und der Beruf zu etwas, über das sich viele definieren.

Kaum jemand kann sich vorstellen, sein ganzes Leben lang keinen Job zu haben. Immerhin sichert das Arbeitseinkommen die Existenzgrundlage und lässt auch mal den einen oder anderen Wunsch wie einen Urlaub oder ein chices Auto zu.

Hinzu kommt, dass die Arbeit ein wesentlicher Faktor ist, wenn es um die Selbstverwirklichung, die Bestätigung und das Dazugehörigkeitsgefühl geht. Wer keinen Job hat, kann gesellschaftlich sehr schnell in die Rolle des Außenseiters rutschen.

Schließlich heißt es bei nahezu jedem Smalltalk früher oder später: “Und was machen sie so, beruflich?”. Doch das war nicht immer so. Viele Jahrhunderte lang war die Arbeit bestenfalls eine notwendige Pflicht, die eben erledigt werden musste, um satt zu werden und über die Runden zu kommen. Die Menschen arbeiteten, um zu leben – aber sie lebten nicht, um zu arbeiten. Seit ein paar Jahren scheint sich ein erneuter Wandel der Arbeitskultur anzukündigen.

Die Arbeit verliert zwar nicht an Bedeutung, steht aber nicht mehr ausschließlich im Vordergrund.

 

Der folgende Beitrag nimmt das Projekt Arbeit, gestern und heute, einmal näher unter die Lupe:

 

Die Arbeit früher

Im antiken Griechenland waren es die Sklaven und die Frauen, die die Arbeiten und die niederen Dienste verrichteten. Die Bürger hingegen widmeten sich der Muße und beschäftigten sich mit Themen wie der Philosophie oder der Politik.

Bis ins Mittelalter hinein galt die Arbeit als eine lästige Pflicht. Sie war notwendig, um die Versorgung sicherzustellen. Doch das fröhliche, gesellige Leben mit Feiern, guter Unterhaltung und Tanz hatte einen viel höheren Stellenwert. Deshalb waren im Mittelalter auch bis zu 100 Feiertage im Jahresverlauf vorgesehen.

Mehr zu arbeiten als notwendig, machte zudem ohnehin keinen Sinn. Schließlich wurden Gewinnstreben und Habgier als Laster gesehen und materieller Reichtum galt als eine verpönte und sündhafte Bindung an das Diesseits.  

Einen großen Wandel erlebte die Arbeitskultur erst im 16. Jahrhundert. Martin Luther erklärte den Müßiggang zur Sünde und sah in der Arbeit die Berufung des Menschen. Die Arbeit, für die der Mensch geboren sei, setzte Luther mit dem Dienst des gläubigen Christen für seinen Gott gleich.

Damit war die Ära des Zeitalters, in dem die Menschen lebten, um zu arbeiten, eingeläutet. Noch strenger legten die Puritaner das Verhältnis zwischen Mensch und Arbeit aus. Ihrer Meinung nach war derjenige von Gott erwählt, der mit seiner Hände Arbeit materiellen und finanziellen Wohlstand erreicht hatte. Allerdings war es äußert ungern gesehen, wenn jemand seinen Wohlstand zur Schau stellte. 

 

Die Arbeit im 18. bis 20. Jahrhundert

Mitte des 18. Jahrhunderts fiel der Startschuss für die Industrialisierung. Die Bevölkerungszahlen stiegen sprunghaft an, aber weil nur wenige über eigenes Land verfügten, konnten sie mit der Landwirtschaft kein Geld verdienen.

Die vielen neuen Fabriken kamen da gerade recht, denn immerhin boten sie genügend Arbeitsplätze für Männer, Frauen und Kinder. Technische Errungenschaften wie die Eisenbahn oder die Dampfmaschine kurbelten die Transportmöglichkeiten und die Produktionsmengen noch einmal kräftig an. Allerdings sahen die Fabrikarbeiter anfangs keinen Grund, mehr Arbeit zu leisten als notwendig.

Wenn ihre Löhne ausgezahlt worden waren, ließen sie in guter alter Manier die Maschinen einfach stillstehen und widmeten sich stattdessen der Geselligkeit.

Um die Arbeiter bei Laune zu halten und die Produktion nicht zu gefährden, senkten die Fabrikanten daraufhin die Arbeitsentgelte. Durch die Hungerlöhne konnten es sich die Fabrikarbeiter einfach nicht mehr leisten, die Arbeit ruhen zu lassen.

Während der Kapitalismus immer klarere Formen annahm, kam allmählich auch die Arbeiterbewegung auf. Es sollte zwar nur langsam vorangehen, aber im Laufe der Zeit wurden doch Verbesserungen in Sachen Arbeitsbedingungen spürbar.

Die Sozialisten erhoben die Arbeiter zu den Helden der Gesellschaft und forderten für jeden ein Recht auf Arbeit ein. Dieses Recht war in der Verfassung der DDR verankert und so war es hier auch völlig normal, dass Männer und Frauen arbeiten gingen. In der BRD hingegen blieb es zunächst bei der klassischen Rollenverteilung.

Während der Mann arbeiten ging und das Geld verdiente, kümmerte sich die Frau um den Haushalt und die Kinder. Erst in den späten 1960er-Jahren wurden freiere Lebenskonzepte ohne starre Normen propagiert. Später erschütterten Öl-, Wirtschafts- und Finanzkrisen immer wieder die Arbeitswelt. Aber auch die Globalisierung schuf nicht nur Arbeitsplätze, sondern kostete einige Arbeitnehmer ihre Jobs. So manches Unternehmen verlegte seine Produktionsstätten nämlich an Standorte, wo die Arbeit weniger kostet.

 

Die Arbeit heute

Die Unternehmen heute wünschen sich motivierte und flexible Mitarbeiter, die sich voller Tatendrang an die Arbeit machen, sich einbringen und am besten rund um die Uhr erreichbar sind. Außerdem sollen Arbeitnehmer ein hohes Maß an Lern- und Weiterbildungsbereitschaft mitbringen.

Im Gegenzug bieten sie verschiedene Arbeitszeitmodelle, finanzielle oder materielle Anreize, die Chance auf eine Karriere und modern ausgestattete Arbeitsplätze mit Sofaecken, einem betriebseigenen Fitnesscenter oder einer unternehmenseigenen Kita.

Zeitgemäße Arbeitsmodelle bringen zweifelsohne neue Freiheiten mit sich. Gleichzeitig kosten sie aber auch Sicherheit. In den 1990er-Jahren wurden in der Gruppe der 30-jährigen Arbeitnehmer weniger als zehn Prozent aller Arbeitsverträge als befristete Arbeitsplätze geschlossen.

Heute, rund 20 Jahre später, hat sich die Zahl der befristeten Arbeitsverträge mehr als verdoppelt und inzwischen sieht bei Neueinstellungen fast jeder zweite Arbeitsvertrag eine zeitliche Befristung vor. Hinzu kommt die große Angst vor Arbeitslosigkeit. Viele, die längere Zeit arbeitslos waren und nun endlich wieder einen Job gefunden haben, sind bereit, auch für kleineres Geld arbeiten zu gehen.

Andere nehmen Lohnkürzungen oder teils unbezahlte Überstunden in Kauf, nur um ihren Job nicht zu verlieren. Die Folge davon ist, dass der Billiglohnsektor wächst. Immer mehr Menschen verdienen in ihrem Beruf nicht genug, um damit über die Runden zu kommen. Folglich sind sie auf aufstockende Sozialleistungen oder einen Nebenjob angewiesen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich in Deutschland die Zahl derjenigen, die sich in einem oder mehreren Nebenjobs etwas zum Haupteinkommen dazuverdienen, verdreifacht.

 

Das Projekt Arbeit in der Zukunft

Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz gar nicht so groß ist, wie es vordergründig vielleicht scheint. Viele Arbeitnehmer erledigen einen Dienst nach Vorschrift und engagieren sich nur in dem Maße, in dem es notwendig ist.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist oft nicht sehr ausgeprägt und nur wenige sehen in ihrer Firma eine Art Ersatzfamilie. Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer würde sich gerne ein Sabbatjahr gönnen und die berufliche Auszeit für Reisen, die Familie oder einfach nur sich selbst nutzen.

Vor allem die sogenannte Generation Y, das sind die Jahrgänge 1980 bis 1995, könnte die Arbeitskultur revolutionieren. Zwar möchten die jungen Erwachsenen arbeiten und Geld verdienen. Aber sie möchten Freude an ihrem Beruf haben, für sie sinnvolle Ziele verfolgen und einen Ausgleich zwischen Beruf, Familie und Freizeit schaffen.

Geld und die große Karriere scheinen für sie weniger zu zählen als Glück und Zufriedenheit. Es sieht also so aus, als könnte sich das Projekt Arbeit in den kommenden Jahrzehnten von der Lutherschen Arbeitsmoral, die wir bis heute praktizieren, lösen und neue Formen mit anderen Schwerpunkten annehmen.

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