Projekt Familie: die Patchwork-Familie als Erfolgsmodell?

Projekt Familie: die Patchwork-Familie als Erfolgsmodell?

 

Bei rund der Hälfte aller Ehen, die in Deutschland geschlossen werden, scheitert das Projekt Familie. Wenn sich das Paar trennt und wieder scheiden lässt, hat der ersehnte Bund fürs Leben meist keine sieben Jahre gehalten.

 

Über 50 Prozent der geschiedenen Mütter und Väter haben nach einem Jahr einen neuen Partner gefunden. Mit der neuen Partnerschaft entsteht eine Stieffamilie, in der ein Elternteil kein leiblicher Elternteil des oder der Kinder ist. Neudeutsch wird bei diesem Familienmodell nicht mehr von einer Stieffamilie, sondern von einer Patchwork-Familie gesprochen.

Patchwork-Familie deshalb, weil sich die neue Familie aus mehreren Einzelteilen zusammensetzt und die einzelnen Familienmitglieder genauso bunt und unterschiedlich zusammengewürfelt sein können wie bei der Flickendecke, die Namenspate stand.

 

Projekt Familie: Die Geschichte der Patchwork-Familie

Bei der Patchwork-Familie sind viele Varianten möglich. So kann ein Mann als Stiefvater und neuer Familienvater dazukommen oder eine Frau übernimmt die Rolle der Stiefmutter.

Ein Mann und eine Frau können eine Partnerschaft gründen und beide ihre eigenen Kinder in die neue Familie mitbringen. Die Kinder können in der neuen Familie leben oder bei dem anderen Elternteil bleiben und die Patchwork-Familie nur zeitweise besuchen.

Familienforscher unterscheiden insgesamt 74 verschiedene Möglichkeiten, wie sich eine Patchwork-Familie zusammensetzen und leben kann. Allen Varianten ist gemeinsam, dass zu dem leiblichen Elternteil ein neues Familienmitglied dazukommt, das in die Rolle des anderen Elternteils schlüpft. 

Die Patchwork-Familie als solches ist aber keineswegs eine neue Erfindung. Neu ist lediglich der Name, früher wurde von der Stieffamilie gesprochen. Viele Jahrhunderte lang war der Tod eines Elternteils der Hauptgrund dafür, dass der hinterbliebene Elternteil wieder heiratete.

Dies kommt durch die Bezeichnung Stieffamilie zum Ausdruck. Der Wortbestandteil “Stief” hat seine Wurzeln in der germanischen Sprache und bedeutet übersetzt soviel wie beraubt. Wenn ein Elternteil und vor allem die Kinder durch einen frühen Tod des Partners und des Vaters beraubt worden waren, war es notwendig und auch völlig selbstverständlich, möglichst schnell wieder zu heiraten, um die Familie finanziell und gesellschaftlich abzusichern. Heute ist ein früher Tod seltener geworden.

Trennungen und Scheidungen sind längst kein Tabu mehr. Alleinerziehende sind gesellschaftlich akzeptiert und wenn es finanziell knapp wird, hilft der Staat mit Sozialleistungen aus. Die soziale oder finanzielle Absicherung ist mittlerweile also nicht mehr unbedingt der ausschlaggebende Grund dafür, das Projekt Familie noch einmal neu in Angriff zu nehmen. Stattdessen sind es meist schlicht der Wunsch nach einer glücklichen Partnerschaft und das Bedürfnis nach einer heilen Familie.

 

Projekt Familie: Die Hürden bei der Patchwork-Familie

Wenn ein Elternteil einen neuen Partner gefunden hat, malt er sich frisch verliebt und mit vielen Schmetterlingen im Bauch eine gemeinsame glückliche Zukunft aus.

Oft ist er sich auch ganz sicher, dass die Kinder den neuen Partner mit offenen Armen in der Familie willkommen heißen oder ihn zumindest nach einer gewissen Eingewöhnungsphase als neues Familienmitglied und Bezugsperson annehmen werden.

Doch für Kinder ist es häufig recht schwer, den neuen Partner an der Seite des Elternteils zu akzeptieren. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der neue Partner eine Art Ersatz für den Elternteil sein soll, der die Familie verlassen hat. Auch Kinder wünschen sich zwar in aller Regel, wieder eine richtige Familie mit Vater, Mutter und Kind zu sein.

Meist erhoffen sie sich aber, dass sie ihre Familie in der ursprünglichen Besetzung zurückbekommen. In dem Moment, in dem ein neuer Partner einzieht, wird ihnen klar, dass diese Hoffnung wohl nicht erfüllt werden wird. 

Auch für das neue Familienmitglied ist die Situation nicht einfach. Anders als bei einem leiblichen Kind, bei dem die werdenden Eltern die Schwangerschaft und die Geburt miterleben und das sie vom ersten Tag an begleiten, wird ein Stiefelternteil von jetzt auf nachher zur Mutter oder zum Vater.

In der neuen Familie findet der Stiefelternteil ein Gefüge vor, das im Laufe der Zeit gewachsen ist, sich gemeinsam weiterentwickelt hat und aufeinander eingespielt ist. Für einen Junggesellen, der plötzlich Vater von zwei pubertierenden Teenagern ist, oder für eine Frau, die auf einmal eine Großfamilie vor sich hat, kann die neue Situation zur großen Herausforderung und zur echten Belastungsprobe werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Gesellschaft kaum klare Erwartungen an ein Stiefelternteil formuliert. Einerseits gibt das einer Patchwork-Familie den Freiraum, den für sich richtigen Weg zu finden. Andererseits fehlen dadurch aber Orientierungshilfen und Richtlinien. Die Gefahr, dass die Patchwork-Familie scheitert, weil sich das alltägliche Leben deutlich schwieriger gestaltet als erhofft und die Wunschvorstellungen nicht erfüllt werden, ist deshalb durchaus gegeben.    

 

Projekt Familie: Die Patchwork-Familie als Erfolgsmodell?

Viele Familienforscher gehen davon aus, dass die Patchwork-Familie das Familienmodell der Zukunft ist. Sie nehmen an, dass die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die statt in einer in zwei oder sogar mehr Familien aufwachsen, konstant steigen wird.

Verlässliche Zahlen dazu, wie viele Patchwork-Familien derzeit in Deutschland leben, gibt es nicht. Dies liegt daran, dass bei Eheschließungen nur die gemeinsamen Kinder der Brautleute erfasst werden. Wenn ein Paar mit seinen Kindern einfach nur zusammenzieht und eine Patchwork-Familie ohne Trauschein gründet, taucht es in keiner offiziellen Statistik auf.

Das Familienministerium nimmt jedoch an, dass in sieben bis 13 Prozent aller deutschen Haushalte Kinder mit einem Stiefelternteil aufwachsen. 

Eine Patchwork-Familie verlangt von allen Familienmitgliedern Mut, Geduld, Akzeptanz und Toleranz. Gleiches gilt für Familien mit einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar oder für Alleinerziehende. Familienforschern zufolge bieten solche Familienmodelle aber auch Chancen.

So haben sie herausgefunden, dass Kinder für gesellschaftliche Diskriminierungen sensibilisierter sind, mit der Rollenverteilung von Mann und Frau flexibler umgehen können und  eher bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn sie nicht in einer klassischen Familie, sondern in einem alternativen Familienmodell aufgewachsen sind.

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