Das Sieben-Phasen-Modell bei Kreativprozessen

Das Sieben-Phasen-Modell bei Kreativprozessen

 

Es ist durchaus möglich, dass Ideen und Lösungsansätze mehr oder weniger spontan entstehen. Gerade erfahrene Mitarbeiter können häufig Lösungen erarbeiten und Ideen für Projekte entwickeln, wenn sie sich intensiv mit einer Fragestellung beschäftigen.

Allerdings sollte sich ein Unternehmen nicht nur auf die Spontaneität und den Erfahrungsschatz seiner Mitarbeiter verlassen. Stattdessen ist es sinnvoll, ein System für die Suche nach Lösungsansätzen zu etablieren.

Die Kreativitätsforschung kennt hierbei verschiedene Modelle, die sich inhaltlich jedoch recht ähnlich sind. Eines dieser Systeme ist das Sieben-Phasen-Modell.

 

Was sich dahinter verbirgt und wie es bei Kreativprozessen umgesetzt werden kann, erklärt die folgende Übersicht:

 

1. Phase: die Vorbereitung

Am Anfang des Kreativprozesses steht die Vorbereitungsphase. Sie wird auch als Briefing bezeichnet. Das Briefing zielt darauf ab, die Fragestellung zu erkennen und konkret zu benennen.

Gleichzeitig gilt es, das Problem transparent zu machen. Beim Briefing geht es also darum, zu definieren, für welches Problem oder welche Frage eine Lösung gefunden werden soll. Dabei kann es um die Einführung eines neuen Produktes genauso gehen wie beispielsweise um die Entwicklung eines Produktnamens, um die Verbesserung bestimmter Produktionsabläufe, um die Etablierung eines zusätzlichen Vertriebskanals oder um den Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes.

Damit der kreative Prozess in Gang kommen kann und die angestrebten Lösungen erreichbar werden, sollten die Ziele aber klar beschrieben und konkret festgelegt werden. Hierbei wiederum kann die SMART-Formel zugrunde gelegt werden.

Demnach ist ein smartes Ziel Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert. Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass ein Ziel AROMA haben sollte. Dies ist gegeben, wenn das Ziel Aussagefähig, Realistisch, Objektiv, Messbar und Annehmbar ist.

 

2. Phase: die Informationsbeschaffung

Ist die Problemstellung definiert, geht es in der zweiten Phase darum, alle relevanten Informationen zu der Fragestellung zusammenzutragen. Anschließend werden die vorhandenen Informationen gesichtet, geordnet und mit dem Wissen der beteiligten Mitarbeiter verknüpft.

Bereits in dieser Phase kommen erste Ideen auf. Wichtig ist aber, dass sich die Beteiligten nicht nur auf diese ersten Überlegungen konzentrieren, sondern auch weiterhin offen für neue Ideen und Lösungsansätze bleiben.  

 

3. Phase: die Inkubationsphase

Die dritte Phase des Kreativprozesses soll den notwendigen Raum bieten, damit sich eine kreative Idee oder Lösung entwickeln kann. Dazu ist es notwendig, dass die Beteiligten einen gewissen Abstand zu der Fragestellung gewinnen.

Kreative Lösungen lassen sich nicht erzwingen und gute Ideen fallen den Beteiligten eher selten ein, wenn sie krampfhaft danach suchen. Stattdessen entstehen die besten Ideen und die kreativsten Lösungen oft außerhalb des Arbeitsbereiches, beispielsweise beim Fernsehschauen, beim Einkaufen oder bei einem Plausch mit dem Nachbarn.

Der Grund hierfür ist, dass die Denkprozesse im Unterbewusstsein weiterlaufen und eine Idee so unbemerkt heranreift. Auch das sprichwörtliche „eine Nacht darüber schlafen“ kann die entscheidenden Impulse bringen, denn das Gehirn hat so die Möglichkeit, neue Verknüpfungen zwischen Erfahrungen, Wissen und neuen Informationen zu schaffen. Wird die Inkubationsphase übersprungen oder fällt sie zu kurz aus, steigt das Risiko, dass die guten und kreativen Lösungen auf der Strecke bleiben.

 

4. Phase: die Illuminationsphase

Mit der vierten Phase endet die Vorbereitung und die eigentliche kreative Arbeit beginnt. Nun werden die Ideen und die Lösungsansätze, die sich in den drei vorhergehenden Phasen entwickelt haben, vorgetragen. In dieser Phase ist ein Moderator sehr wichtig.

Seine Aufgabe besteht darin, den Kreativprozess zu fördern, indem er zum Austausch anregt. Gleichzeitig muss er sicherstellen, dass es nicht zu Missverständnissen kommt und keiner der Beteiligten beginnt, den anderen seine Ideen aufzudrängen.

Außerdem sollte er darauf achten, dass die vorgetragenen Lösungsansätze in dieser Phase nur aufgenommen und weiterverfolgt, aber noch nicht bewertet werden. Im Idealfall haben sich am Ende der Illuminationsphase konkrete Lösungsansätze herauskristallisiert.

 

5. Phase: die Bewertung

Die Bewertung der erarbeiteten Lösungsansätze sollte erst erfolgen, wenn die Illuminationsphase abgeschlossen ist. Werden Ideen schon im Findungsprozess bewertet, besteht die Gefahr, dass eigentlich gute Ansätze zu früh wieder verworfen werden.

Welche Bewertungskriterien zugrunde gelegt werden, hängt vom Projekt ab. Mögliche Faktoren können beispielsweise die Kosten, die Umsetzbarkeit, die Neuartigkeit oder die Chancen sein. Die Bewertungsphase kann zu zwei Ergebnissen führen.

Stellt sich heraus, dass die gefundenen Ideen und Ansätze das Problem zufriedenstellend lösen, können sie für eine Präsentation vorbereitet werden. Zeigt sich, dass die erarbeiteten Ansätze das Problem nicht oder nicht zufriedenstellend lösen, geht es zurück zur ersten Phase und der Kreativprozess beginnt von vorne. Dabei können die bis hierhin gewonnenen Erkenntnisse aber in die Formulierung der Fragestellung und der Ziele einfließen. 

 

6. Phase: die Präsentation

Die Präsentationsphase verfolgt das Ziel, die Entscheidungsträger von der gefundenen Lösung zu überzeugen. In vielen Fällen wird der Moderator des Kreativteams die Präsentation durchführen, mitunter unterstützt von einem oder mehreren Teammitgliedern.

Im Idealfall können die Entscheidungsträger vom Sinn und der Bedeutung des Lösungsansatzes überzeugt werden. In diesem Fall werden die Entscheidungsträger grünes Licht für das Projekt geben.

Sind die Entscheidungsträger nicht überzeugt, möchten das Projekt aber auch noch nicht stoppen oder zunächst auf Eis legen, kann es sinnvoll sein, den Kreativprozess noch einmal zu durchlaufen.

 

7. Phase: die Umsetzung

Die besten Ideen und die kreativsten Lösungen bringen letztlich nichts, wenn sie nicht konsequent umgesetzt werden. Wichtig ist deshalb, einen konkreten Maßnahmenplan zu erarbeiten und auch die Zuständigen festzulegen. Nur so ist sichergestellt, dass die erarbeitete Lösung wie angedacht realisiert wird.

Gleichzeitig entsteht bei den Mitgliedern des Kreativteams nicht das Gefühl, dass ihre Arbeit umsonst war. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil Frust und Unmut künftige Kreativprozesse deutlich erschweren oder gar unmöglich machen können.

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